„A million pretty faces“ - THE WEIGHT

Bob Sala, Autor und Fotograf, widmet sich den Psychedelic-Rocker „The Weight“, die in ihrem Video zur Single „Trouble“, einmal quer durch die Vinylcover-Geschichte der letzten 70 Jahre streifen.

Ich lasse Schallplatten in meinen Fotos auftreten. Oft sind sie Requisiten, manchmal Statisten, in seltenen Fällen sind sie die versteckten Hauptdarsteller in meiner Arbeit. Ob plakativ, subtil oder übertrieben, das liegt im Auge des Betrachters. Für mich dienen Sie als Flaschenpost, die ich ans Universum sende. Manchmal findet diese Post jemand und fühlt sich dadurch auf unbewusste Weise mit dem Foto, vielleicht sogar mit dem Fotografen verbunden. Die assoziative Kraft der Musik und der Literatur ist ein wesentlicher Bestandteil meiner Fotografie.

Oft bekomme ich Mails von Leuten, die auf einem der Bilder eine Platte entdecken, die ihnen etwas bedeutet. Wenn ich „Let it bleed“ von den Stones auf einem Bild verstecke, schreiben mir selbstverständlich mehr Leute als beim ersten Album von Cactus. Dieser Einfluss hat eine Wechselwirkung. Die Gespräche und Briefwechsel in die ich dadurch verwickelt werde, sind gleichsam Zugang für mich zu neuen Bands, Alben, Sondereditionen oder Live- Mitschnitten. Nichts eint mehr, als mit Gleichgesinnten über seine Favorites zu philosophieren und gemeinsam neue musikalische Horizonte zu entdecken. Manchmal ist es auch nur ein Abgleichen des musikhistorischen Wissenstandes.
Mit dem Reiz, den ein bekanntes Plattencover auf den Betrachter ausübt, spielt auch die Psychedelic-Rocker „The Weight“ in ihrem Video zur Single „Trouble“. „Es ist wie eine Schnitzeljagd durch die Musikgeschichte“, erklärt mir Tobias Jussel, der Frontmann und Tastenmagier der österreichischen Band. In einer Zeit, in der Videos und mittlerweile sogar Songs danach bewertet werden, wie schnell sie nach den ersten Sekunden wegkeklickt werden, ging es ihnen darum, den Zuschauer in wenigen Augenblicken zum Verweilen zu bewegen und einen optischen Reiz zu schaffen, der das Niveau der musikalischen Vorlage mindestens hält.

Mit ihrer Idee, eine Ladung epischer Plattencover nachzustellen und in Bewegtbild umzuwandeln, wandte sich die Band Anfang des Jahres an das Künstlerkollektiv „Die Atzgerei“. Mit den Wiener Kreativen wurde eine lange Liste an Covern in „machbar“ und „nicht machbar“ aufgeteilt, wobei das nicht machbar noch gegliedert werden könnte in „technisch nicht umsetzbar“ und „finanziell oder zeitlich nicht möglich“. Schließlich wurden alle Einstellungen an 10 Drehtagen realisiert. Improvisation wurde zur Tugend. „Für das Beatles Cover hatten wir nur zwei braune Sakkos, also mussten wir die Szene getrennt aufnehmen, jeweils zu zweit, und dann in der Nachbearbeitung übereinander legen“, so Tobi, „Led Zeppelin 4 war saukalt und Electric Ladyland eine Herausforderung auf mentaler ebene.“ Das legendäre Cover von Jimi Hendrix zwischen unzähligen nackten Frauen stellte nur mit den Mitgliedern nach. „Das Klischee mit den nackten Frauen wollten wir dann doch vermeiden. Hendrix soll das Cover ja auch selbst nicht so gewollt haben, wie es am Ende veröffentlicht wurde.“

Gitarrist Michael Boebel, Sänger Tobias Jussel, Bassist Patrick Moosbrugger und Schlagzeuger Andreas Vetter veröffentlichten Ende vergangenen Jahres ihr erstes Album „The Weight“, nachdem sie mit ihrer Debut-EP „Keep Turning“ fast 80 Konzerte in Deutschland, Österreich und der Schweiz spielen durften. Ihre Anklänge an die die großen Zeiten der Rockmusik zwischen Whiskey-a-go-go und dem Roxy halfen der Band schnell über die österreichischen Grenzen hinaus gebucht zu werden. „Wir legen es eigentlich nicht darauf an, diesen Stil zu schreiben, aber wenn wir uns einfach gehen lassen beim Songwriting sind diese Einflüsse automatisch mit im Spiel.“ Und die finden sich auch im Video wieder.

Fotos von Simon Anhorn

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